ErfahrungenGedanken

In jeder Herausforderung steckt auch etwas Positives

Foto von unsplash: dominik-martin-100802

Land unter in Landau oder 
Wie du in einer Herausforderung das Positive sehen kannst.

​​Die Pfalz nennt sich auch die "Toscana Deutschlands", weil hier ganz in der Nähe sogar Bananen wachsen - unter anderem...

Wir sind hier also echt verwöhnt, was das Wetter anbelangt.
Tatsächlich ist es so, dass ich ​in den 14 Jahren, die ich hier lebe, z.B. kaum mehr Schnee gesehen habe. Stürme ließen Landau aus, Hagel knapp daneben, Regenfälle - außenrum ja - sehr viel sogar, aber hier nicht oder nur sehr wenig.

Bis​ dann der 11. Juni 2018 ​kam.

​Unsere Wohnung liegt im zweiten Stock eines Mehrfamilienhauses - über uns noch ein weiteres Stockwerk. Am Montag Nachmittag hätte ich um 17 Uhr einen Termin bei mir gehabt, den die Kundin mir jedoch absagte, auf Grund der Unwetter in der Umgebung.

Das war die erste "glückliche" Fügung.

Normalerweise bin ich die meiste Zeit allein zuhause und wenn mein Sohn da ist, dann kriegt er nichts mit. Entweder schläft er, weil er Schicht arbeitet oder er hat Musik auf den Ohren oder er ist wieder mal ganz in irgendwas versunken und lebt in einer anderen Welt - ich liebe meinen Sohn!

Am Montag hatte er ​Nachtschicht und hätte um 16Uhr30 eigentlich geschlafen. Das hat er auch - nur, kam ich in sein Zimmer gestürzt, weil er wieder mal seine Balkontür offen gelassen hatte...naja, das darf er ​eigentlich auch. Ich nur noch gerufen: "Ich bin im Keller", was ihn sonst eigentlich auch nicht wirklich bewegt, aber ​am Montag is​t er dann wohl doch nach einer Weile aufgestanden (er liebt Regen), weil er das filmen wollte.

Seltsamerweise macht er das aber nicht von seinem wirklich großen Fenster aus, sondern geht dazu in unsere Miniloggia, die kaum mehr Platz zum Stehen bietet.

Plötzlich denkt er sich "Hmm...warum wirds da nass an meiner Schulter?", schaut nach oben und reagiert in Blitzgeschwindigkeit. Das soll was heißen, denn Geschwindigkeit definiert er sonst vollkommen anders als andere. Damit du dir das besser vorstellen kannst:
Wenn ich mit meiner Tochter und meinem Sohn unterwegs bin, läuft meine Tochter vorneweg (sie nennt es normale Schrittgeschwindigkeit), ich haste hinterher und mein Sohn ist noch 3 Ecken weiter hinten...alles klar? :D

Foto von pixabay: Regenwolke0

Foto von pixabay: Regenwolke0

Na gut, er hat also in Blitzgeschwindigkeit gedacht UND gehandelt. Drei Eimer geholt, die untergestellt, sich angezogen, in den Keller gestürmt, um mir Bescheid zu geben.

Er hatte nicht bedacht, dass jetzt erst recht Arbeit auf ihn zukam.

​Unser Keller besteht aus mehreren Gemeinschaftsräumen und jeweils einem kleineren Raum für die einzelnen Parteien. Als ich unten ankam, schloss ich als erstes die Fenster im Waschmaschinenraum, denn ​die vorderste Maschine war schon ein bisschen nass geworden. Keine 30 Sekunden später war auch ein Mitmieter im Keller angekommen und stand schon bis zum Knöchel in besagtem Raum im Wasser, das anschließend nur so raussprudelte. Der Gulli nahm nichts mehr auf, durch die Ablaufschläuche der Waschmaschinen drängte es nach innen, aus dem Waschbecken sprudelte es und schlussendlich kroch es auch noch unter der Hintertür durch.

Gut, dass ich meine gesamten Campingsachen im Keller deponiert habe, so konnte ich sofort meine Schüsseln schnappen und schippen, aber irgendwie floss mehr nach als wir rauskippten.

Als dann mein Sohn unten war und mir sagte, was gerade in unserer Wohnung passiert, haben wir ganz schnell die Plätze getauscht. Ich legte alles was ich an Handtüchern fand in der Loggia aus, beförderte Wasser nach draußen, was blödsinnig war, da in dem Moment genauso viel wieder zum Fenster reinkam. Aber irgendwann hatte ich es soweit unter Kontrolle, dass ich entschied es einfach weiter tropfen zu lassen.

Ich wieder runter in den Keller, dann kamen auch endlich ein paar der Nachbarn an, die alle mit angefasst, mit den unmöglichsten Behältnissen geschöpft, geschoben und entleert haben. Da kam sogar der Schneeschieber zum Einsatz.

Als wir dann irgendwann merkten, dass es tatsächlich weniger wird, machte das Gemeinsame richtig Spaß, wir machten Scherze, fotografierten und ich hatte das erste Mal auch mit Mietern, die ich vorher noch nie wirklich zu Gesicht bekommen hatte, Kontakt. Wir haben Handynummern ausgetauscht und uns gegenseitig bedankt.

Foto von pixabay: Anemone123

Foto von pixabay: Anemone123

Nach 2-2,5 Stunden hatten wir zu Acht den Keller wieder einigermaßen "trocken" und ich eine Wagenladung voll nasser Handtücher....

Danke ihr da oben oder wo auch immer, dass ihr meinem Sohn das Richtige eingeflüstert habt.
Wäre er nicht gewesen, wären die Mieter unter uns sicher auch noch am schöpfen und sämtliche Sachen aus der Loggia im Müll gelandet.


Gut daran zu sehen ist,​ dass in jeder noch so verworrenen Situation das Positive zu finden ist.
Wir hatten ​richtig Spaß im Keller, der Zusammenhalt der Mieter ist gestärkt und es ist nix passiert.

Allerdings sind wir noch richtig glimpflich davon gekommen, wenn ich an all die Unfälle außenrum denke.
Ein riesiges Dankeschön geht von mir an die Feuerwehr, den THW, die Rettung und wer alles bis tief in die Nacht unterwegs war und geholfen hat!


Titelbild von unsplash: dominik-martin-100802

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